Raus in die Natur

Freizeit & Kultur

Frisch vom Schnee angezuckerte Berggipfel, buntes Laub, das am Boden raschelt oder der Ausblick über die Nebelgrenze. Als Familie unterwegs in der Natur erlebt man diese kleinen Marmeladenglasmomente viel intensiver. Im Interview verrät Wanderbuchautorin und Verlegerin Elisabeth Göllner-Kampel, worauf man beim Wandern mit Kindern achten muss und wieso immer der Weg das Ziel sein sollte.

(C) Manuel Thomasser

Frau Göllner-Kampel, seit 2008 machen Sie Wanderbücher für Familien. Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich bin immer gerne gewandert. Während der Babypause fing ich an, selbst Wanderwege in meiner Umgebung zu erkunden und schrieb die erste Sammlung für Kinderwagen-Wanderwege in Salzburg und Berchtesgaden überwiegend für Freunde auf.

Das erste Buch ließ ich im Copy-Shop drucken und es kam super an. Danach folgten mit ehemaligen Studienkolleginnen und Freundinnen Bücher in Oberösterreich, München und dem Salzkammergut mit dem Nationalpark Kalkalpen. Immer mehr Autorinnen beteiligten sich und so gründete ich 2008 den Wandaverlag.

Worauf achten Sie bei der Auswahl Ihrer Wanderungen?

Zunächst sollen es Tipps sein, die man nicht bei der ersten Google-Suche findet. Wir achten darauf, dass sich die Autorinnen in ihrer Gegend gut auskennen und so auch Tipps geben können, die für Fremde nicht so leicht herauszufinden sind. Wichtig ist uns immer, dass die Kriterien für das jeweilige Buch erfüllt sind. Also zum Beispiel, ob der Weg kinderwagengerecht ist oder ob es Schattenplätze und Wasserstellen gibt. Zusätzlich geben wir auch Tipps für Gaststätten und Parkmöglichkeiten. Da alle AutorInnen selbst Eltern sind, wissen sie ganz genau, was man Kindern im jeweiligen Alter zumuten kann. Und: Bis auf einen Vater haben wir nur Frauen im Autorinnen-Team. Damit unterscheiden wir uns stark vom Gros der Wanderliteratur. Mütter schreiben einfach anders. Sie achten auf andere Wegmerkmale. Spätestens wenn ihr Kind ins Bacherl gefallen ist weisen sie darauf hin, dass beim beschrieben Weg Wechselkleidung eingepackt werden sollte.

Die Bedürfnisse von Eltern und Kindern unterscheiden sich beim Wandern. Wie geht man damit um?

Tatsächlich wandert man mit Kindern anders als ohne. Der Ausblick wird plötzlich nicht mehr so wichtig. Eher ist es der Weg, der Kinder reizt. Daher muss man sich schon umstellen und die Touren auf die Kinder anpassen. Man braucht schon ein bisschen Übung, muss sich auf die gegenseitigen Bedürfnisse einstellen. Aber das klappt meistens besser als gedacht.

Wie gelingt Ihnen das?

Mit langjähriger Erfahrung (lacht). Nein, im Ernst. Man muss sich rantasten und dabei helfen wir mit unseren Büchern. Kinder sehen überall etwas, entdecken zum Beispiel den Regenwurm am Wegrand, an dem die Eltern einfach vorbeigehen. Ein für uns kleiner Bach ist für Kinder ein reißender Fluss, den man unbedingt mal durchqueren sollte. Es ist wichtig, dass am Weg selbst genug Zeit für Pausen ist. Da können Kinder spielen, toben, kraxeln und entdecken. Wer ihnen die Aussicht am Gipfel schmackhaft machen möchte, kann zum Beispiel ein Fernglas mitnehmen. Auch mit einem leckeren Picknick, einer Jause auf der Hütte oder einem Bergsee kann man Kinder locken. Eine gute Idee ist es auch, Freunde mitzunehmen. Kinder motivieren sich dann untereinander und merken manchmal gar nicht, wie schnell sie wirklich am Ziel sind.

Was sollte man unbedingt auf eine Familienwanderung mitnehmen?

Auf jeden Fall genug zu trinken, ausreichend Snacks und Wechselkleidung. Kinder schwitzen zwar meistens nicht stark, trotzdem kann es sein, dass sie am Weg im Bach spielen und hineinspringen. Wer dann vorsorgt, hat länger etwas von der Tour. Manchmal hilft es auch, sich Spiele für den Weg auszudenken. Zum Beispiel Bäume oder Pflanzen raten, kleine Schätze entlang des Weges verstecken oder auf jedem Baumstamm am Weg zu balancieren.

Was empfehlen Sie bei schlechtem Wetter?

In all unseren Büchern haben wir ganz am Anfang eine Legende eingebaut. Da sieht man sofort, welche Touren wetterunabhängig sind. Kinder machen sich meistens nichts aus schlechtem Wetter. Pfützen springen ist da sowieso ein Highlight. Bei den Wegen sollte man auf jeden Fall darauf achten, dass sie nicht zu rutschig sind. Optimal sind auch kleine Hütten entlang des Weges, in denen man Pausen einlegen kann. Im Wald ist man vor Regen eigentlich ganz gut geschützt. Rein in die wasserdichte Regenkleidung und schon kann es losgehen. Da können wir von Kindern noch Vieles lernen.

Tipps für Touren in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien finden Sie bei https://www.wandaverlag.com/ 

 

 

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