„Picky Eating“, ARFID oder einfach ein bisschen heikel?

Gesundheit & Ernährung

ein Artikel von Lena Gießwein, BSc - Diätologin

(C) pixabay

Picky Eater sind sehr wählerisch und haben oft Angst vor neuen Lebensmitteln. Die Furcht etwas Neues zu probieren kann den Familienalltag schon mal vor Herausforderungen stellen. Diese Phase macht fast jedes Kind einmal durch. Diätologin Lena Gießwein, BSc gibt Tipps wie eine angenehme Ess-Atmosphäre geschaffen werden kann. 

 

Generell gilt: 

 

  • Die Eltern bestimmen, was bei einer Mahlzeit zur Verfügung steht.
  • Das Kind bestimmt, ob, was & wieviel es davon isst!

Wenn selektives Essverhalten den Speiseplan der Familie einschränkt oder jede Mahlzeit zum emotionsgeladenen Machtkampf wird, ist das frustrierend.

Die Lösung könnte sein, für das Kind mit selektivem Essverhalten bei jeder Mahlzeit etwas Eigenes zuzubereiten oder mit Druck darauf zu bestehen, dass alles was auf den Tisch kommt probiert werden muss. Beides macht die Mahlzeit nicht gerade zu einem angenehmen, verbindenden Erlebnis.

Eine andere Herangehensweise ist für viele Familien hilfreicher & stressärmer.

 

Nicht nur das WAS, auch das WIE hinterfragen

 

Eine Ess-Atmosphäre ohne Druck ist die beste Voraussetzung dafür, dass Kinder mit selektivem Essverhalten sich öffnen und neue Lebensmittel probieren.

Meist haben diese Kinder bereits eine Vielzahl an negativen Erfahrungen rund um Mahlzeiten gesammelt und müssen erst wieder Vertrauen fassen.

Für die Eltern gilt es nun, Geduld zu bewahren und dem Kind die Zeit geben, um unbekannte Lebensmittel anzusehen, anzufassen, damit zu spielen, daran zu riechen und zu probieren. Es können Tage, Monate oder auch Jahre vergehen bis ein Kind das tut.

Zu diesen Thema habe ich mit meiner Diätologie-Kollegin Lisa Berl eine Radiosendung aufgenommen. Nachzuhören unter: cba.fro.at/546872

Liegt eine stark eingeschränkte Akzeptanz der Lebensmittelauswahl vor, kann auch die Essstörung „ARFID“ (acoidant restrictive food intake disorder) diagnostiziert werden. Hier ist die Begleitung durch ein interdisziplinäres TherapeutInnen-Team sehr hilfreich. Dies kann in einer Reha für Kinder oder auch im ambulanten Setting (Spiel mit dem Essen) sein. Diätologie, Ergotherapie, Logopädie & Psychologie arbeiten im Idealfall eng zusammen.

 

Tipps für entspannte Familienmahlzeiten:

 

  • Regelmäßige Mahlzeiten & Zwischenmahlzeiten einplanen, damit das Kind weiß, wann es wieder mit etwas zu essen rechnen kann. Ständiges „Dahinsnacken“ (grazing) kann der Entwicklung von Appetit & Hunger entgegenwirkt.
  • Eine angenehme Atmosphäre, bei der über angenehme Themen gesprochen wird, sorgt dafür, dass Kinder Mahlzeiten als etwas Schönes wahrnehmen.
  • Niemand kommentiert was oder wieviel das Kind bei einer Mahlzeit (nicht) gegessen hat. Weder positiv noch negativ.
  • Mahlzeiten finden so oft wie möglich in Gemeinschaft am Tisch statt.
  • Das Essen kommt auf den Tisch und alle nehmen sich wovon sie möchten, soviel sie möchten - mit Rücksicht auf die anderen.
  • Fragen, ob das Kind Lebensmittel X oder Lebensmittel Y probieren möchte. Bei geschlossenen Fragen zu Lebensmittel ist die automatische erste Antwort „Nein“. Deshalb die Wahl zwischen mehreren Lebensmittel anbieten.
  • Bei jeder Mahlzeit gibt es mindestens 1 Lebensmittel, das das Kind als „sicher“ sieht. Das kann z.B. eine Beilage, Gebäck oder auch eine Sorte Joghurt sein, die mit am Tisch für alle zur Verfügung steht.
  • Ernst gemeinte Aussagen zu Dingen, die einem selbst besonders am Essen gefallen, werden ausgesprochen.
  • Es gibt Servietten am Tisch. Eine Vereinbarung, dass das Kind etwas in eine Serviette ausspucken darf, wenn es nicht schlucken möchte, kann das Kind zum Kosten neuer Lebensmittel motivieren.
  • „Don’t yuck my yum“ – Durch Aussagen oder Grimassen am Tisch verdirbt man schnell jemandem den Appetit – Klären Sie in der Familie, dass solche Dinge beim Essen keinen Platz haben.

 

No-Go’s:

 

  • Dem Kind eine Speise anbieten, während man selbst etwas ganz Anderes isst. Die Vorbildwirkung zählt!
  • Die Speisen ohne Einbeziehen des Kindes auf seinen Teller geben.
  • Während einer Mahlzeit mehr als 1x anbieten, was auf dem Tisch steht bzw. was man gerne hätte, dass das Kind isst. Das erzeugt Druck.
  • Wenn das Kind ein Lebensmittel mehrmalig abgelehnt hat, wird dieses vom Familienspeiseplan gestrichen. Das sollte vermieden werden, denn so entgeht dem Kind die Chance, dass es beim 23. Mal doch von XY kosten möchte.

Zusammengetragen aus Artikel unter:

Are You Really Offering Different Foods to Your Picky Eater? | Huffpost.com

Learning to Trust and Be Trusted | Mealtime Hostage

lenagnutrition.jimdofree.com  

Teilen Sie diesen Inhalt auf:

Top