Medienerziehung in der Familie

Kinder

Kinder werden immer früher mit digitalen Medien konfrontiert, nicht zuletzt, weil wir Erwachsenen es so vorleben. Welche Regeln Eltern beachten sollten, damit das Vorleben auch vorbildlich wird, erläutert SCHAU HIN!-Mediencoach Dr. Iren Schulz.

In welchem Alter ist es sinnvoll, Kinder mit digitaler Technik und Internet vertraut zu machen?

SCHAU HIN!-Mediencoach Dr. Iren Schulz: Kinder wachsen heute in einer mediatisierten Welt auf und interessieren sich schon früh für digitale Inhalte, Tools und Anwendungen – auch, weil wir Erwachsene ihnen die Begeisterung und intensive Nutzung von Bildschirmmedien vorleben. Insofern befassen sich schon Eltern von Kindergartenkindern damit, welche Medieninhalte wie lange von ihrem Nachwuchs genutzt werden dürfen. Unter drei Jahren sollten aber Medien wirklich nur punktuell und vereinzelt genutzt werden. Mit zunehmendem Alter der Kinder und mit steigender Begeisterung für die Medienwelt ist es sinnvoll, einen klaren Rahmen abzustecken, in dem sich Kinder in und mit Medien bewegen können. Im Grundschulalter können und wollen Kinder wissen, wie Tablets, Smartphones und Co. funktionieren und was alles in diesen digitalen Alleskönnern steckt. Spätestens dann ist es an der Zeit, die Mediennutzung zu besprechen und gute Regeln und Routinen in der Familie zu etablieren.

Wie sind die ersten Schritte in Richtung Medienerziehung? Was müssen Kinder lernen? Was müssen die Erwachsenen lernen?

SCHAU HIN!-Mediencoach Dr. Iren Schulz: Die ersten Schritte in die Medienwelt gehen Eltern idealerweise gemeinsam mit ihren Kindern. Das bedeutet neben dem Erklären, Begleiten und gemeinsamen Entdecken vor allem das Auswählen kindgerechter Inhalte und das Festlegen guter Regeln und Routinen in Sachen Nutzungsdauer oder medienfreie Zeiten. Vor allem das sichere Bewegen in digitalen Medien ist zu einem ganz wichtigen Thema geworden, das man am besten von Beginn an im Blick hat – sichere Apps ohne Werbung, In-App-Käufe oder Verweise auf Social Media-Portale, ausgewiesene Kindersendungen oder Youtube Kids gehören beispielsweise dazu. Eltern müssen lernen, auch aus der Perspektive der Kinder zu schauen und zu verstehen, warum sie sich für bestimmte Inhalte und Angebote begeistern, um so besser entscheiden zu können. Kinder müssen lernen, dass nicht alles, was toll und bunt daherkommt, immer gut und sicher ist. Das ist ein ständiger Aushandlungsprozess, der eben oft auch zu Diskussionen und Frust führt – aber im Grunde ein wichtiger Weg ist, Medienerziehung in der Familie zu etablieren.

Wie kann mein Kind so sicher wie möglich im Internet surfen, lernen, spielen etc.?

SCHAU HIN!-Mediencoach Dr. Iren Schulz: Sicher im Internet unterwegs zu sein, heißt für die jüngeren Kinder erst einmal, dass wir als Erwachsene ihnen einen sicheren Raum zur Verfügung stellen – also beispielweise über die Nutzung sicherer Suchmaschinen wie Blinde Kuh oder Frag Finn, aber auch über technische Einschränkungsmöglichkeiten mittels spezieller Familien-Apps oder über die Fritzbox (Anmerkung: Die Fritz!Box ist eine Produktreihe von Routern für Internetanschlüsse über DSL, Kabel bzw. DOCSIS, FTTH bzw. Glasfaser und LTE.).

Neben diesen Einschränkungen ist es immer wichtig, Kindern die digitale Welt mit ihren Mechanismen altersgerecht zu erklären und für Fragen und Unsicherheiten da zu sein. Gerade der Bereich Social Media sollte für Kinder eher tabu sein, und auch die Chats in Spiele-Apps und -Anwendungen haben viele Ecken und Kanten in puncto Datenschutz, die Kinder noch überfordern.

Wie behalten Eltern die Kontrolle über Daten, Konsum und Mediennutzung?

SCHAU HIN!-Mediencoach Dr. Iren Schulz: Wie bei allen anderen Themen, ist es auch in Sachen Medien wichtig, miteinander im Gespräch zu sein, viel zu erklären, aber eben auch klare und verbindliche Regeln zu etablieren. Kontrolle allein führt dazu, dass Kinder sich irgendwann „Nischen“ und Auswege suchen, um doch die App zu spielen, die sie begeistert oder bei einem Social Media – Angebot anzumelden, obwohl es die Eltern nicht erlaubt haben. Vertrauensbasierte Konsequenzen und gute Gespräche sind ein gutes Fundament, auch in der Medienerziehung. Natürlich helfen dabei auch technische Möglichkeiten, die Mediennutzungszeit zu begrenzen oder bestimmte Angebote nicht erreichbar zu machen – wenn man diese Entscheidungen gut erklären und begründen kann.

Inwiefern kann man Kinder zum Thema Datenschutz sensibilisieren? Kann man auf den Geräten Voreinstellungen dazu treffen?

SCHAU HIN!-Mediencoach Dr. Iren Schulz: Der beste Weg, Kinder für eine gute Mediennutzung zu sensibilisieren, ist mit gutem Beispiel voranzugehen und selbst Vorbild zu sein – und darüber zu sprechen. Außerdem kann man das Thema Datenschutz immer am konkreten Beispiel erklären – wenn sich die Kinder unbedingt eine App wünschen oder ein Social Media Angebot entdeckt haben, dann kann man gemeinsam prüfen, welche Daten diese App einsammelt oder speichert und wofür diese Daten benutzt werden. Schön ist es immer, diese Phänomene altersgerecht zu erklären – am besten mit Beispielen aus der Lebenswelt der Kinder. Also so, als würde man die Fotos aus dem letzten Familienurlaub auf dem Marktplatz an die Litfaßsäule kleben und alle könnten sie sich anschauen. Oder als würde man jeden Fremden, der an der Haustür klingelt, gleich mit ins Kinderzimmer nehmen.

„SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht." ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der beiden öffentlich-rechtlichen Sender Das Erste und ZDF sowie der AOK – Die Gesundheitskasse. Der Medienratgeber für Familien unterstützt seit 2003 Eltern und Erziehende dabei, ihre Kinder im Umgang mit Medien zu stärken. www.schau-hin.info

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