Kinder sicher im Internet

Kinder

Die digitalen Gefahren für unsere Kinder und wie wir sie davor schützen können.

Cyber-Mobbing, sexuelle Ausbeutung, Abzocke… Der Polizeibeamte Alexander Geyrhofer ermittelt seit 20 Jahren im Internet. Nun hat der Oberösterreicher seine Erfahrungen und Kenntnisse zu Buch gebracht. Der Ratgeber soll Eltern und Lehrer für das Thema Gefahren im Internet sensibilisieren und ihnen Werkzeuge in die Hand geben mit deren Hilfe sie ihre Kinder mit gutem Gefühl surfen lassen können.

 

Interview mit Alexander Geyrhofer

Ende März 2019 ist ihr „Eltern-Ratgeber für sicheres Surfen“ erschienen. Worum geht es in dem Buch genau?
In dem Buch geht es in erster Linie darum, Eltern und Lehrkräfte, bzw. die Gesellschaft wachzurütteln und mit real, durch die Möglichkeiten des Internets passierten Gewalttaten, zu konfrontieren. Es soll aber auch ein Ratgeber sein und aufzeigen wie man präventiv wirken kann und was in der Worst Case Situation zu tun ist. Es werden alle Phänomene genannt, die unsere Kindern, aber auch uns Erwachsenen schaden können.

Wie sind sie auf die Idee gekommen dieses Thema aufzugreifen? Gab es einen speziellen Anlass?
Ich war fast 19 Jahre in der polizeilichen Prävention im Bereich Jugendgewaltprävention und Cybercrimeprävention tätig. Es erschüttert mich immer die Grässlichkeit, mit der manche TäterInnen vorgehen. Verwundert hat mich, dass auf die rasend schnelle Entwicklung des Internets und der technischen Möglichkeiten relativ langsam reagiert wurde. Die Technik hat viele überholt. Was mich aber besonders stolz macht ist, dass die Polizei das Problem erkannt hat und seit über 10 Jahren an Schulen Österreichs jährlich tausende Schülerworkshops (Click&Check) macht, Elternabende veranstaltet und Lehrerinformationen anbietet. Ich glaube, dass es auch da an der Zeit ist, diese ausgezeichnete Leistung der Polizei-Präventionsbeamten aufzuzeigen. Bei hunderten Elternabenden und Lehrerfortbildungen habe ich erstaunt festgestellt, dass die Welt des Internets für viele fremd bzw. Neuland war.

Welche Formen der Cyber-Kriminalität kommen am häufigsten vor?
Es gibt bereits in Kinder-Chatrooms oder in Kinderspielen mit Chatfunktion Gefahren. Dort können Pädophile lauern und ihre Identität verschleiern. Langsam erschleichen sie sich das Vertrauen der Kinder.

Kinder müssen auch das Recht am eigenen Bild lernen. Welche Bilder machen Kinder von sich und was bedeutet das, wenn diese weitergeschickt werden? Vor allem, wenn Kinder von sich Fotos im leicht bekleideten oder gar nacktem Zustand machen und versenden. Und, im Hinblick auf Daten, dass man nicht alles von sich preisgeben sollte.
Eines der größten Probleme, die wir in Österreich haben, ist natürlich Cybermobbing. Da haben wir leider auch Todesfälle zu beklagen. Dazu kommen die verschiedenen Abzock-Seiten, wo Kinder zu Klicks veranlasst werden, die über die Telefonrechnung hohe Kosten verursachen. Ein weiteres Phänomen ist Sextortion. Vor allem junge Burschen werden in Videochats gelockt und dort dazu gebracht, sexuelle Handlungen vor der Kamera zu machen. Tags darauf kommt ein Erpresserschreiben mit einer Zahlungsaufforderung. Im Erwachsenenbereich ist natürlich der Onlinebetrug an erster Stelle zu nennen. Gefahren lauern überall da, wo es um Sex und Geld geht.

Haben sie einen speziellen Tipp für Eltern, wie sie ihre Kinder vor diesen Gefahren schützen können?
Es ist wichtig, in ständigem Kontakt und in Beziehung mit dem Kind zu sein und es präventiv darauf vorzubereiten, dass die digitale Welt nicht immer eine heile ist. Je sozialer das Umfeld ist, in dem Kinder aufwachsen, wo Werte und Normen gelebt und geschult werden, desto geringer ist das Risiko, ausgegrenzt zu werden oder jemanden auszugrenzen.

Falls Kinder merken, dass jemand in der Klasse z.B. über WhatsApp fertig gemacht wird, sollten sie Screenshots machen, zu den Eltern oder zum Klassenvorstand gehen und helfend eingreifen. Falls Eltern merken, dass es beim Kind sichtliche Wesensveränderungen gibt, sollten sie sensibel sein und genauer hinschauen. Egal ob durch Aggression, psychosomatische Erkrankungen, Schulunlust… - Kinder reagieren immer. Wenn Cybermobbing ein schulisches Problem ist, dann ist der Weg zum Klassenvorstand unablässig und wenn es extrem wird, würde ich auch den Gang zur Polizei nicht scheuen. Cybermobbing ist seit 01.01.2016 strafrechtlich nach § 107 c StGB verfolgbar. Wichtig ist, genügend Beweise zu sichern. Dazu habe ich mein erstes Buch „PädagogIn – Ein harter Job“ geschrieben, um Lehrkräften für die neuen Entwicklungen neue Handlungsoptionen zu eröffnen. Ich glaube, dass wir an den Schulen den richtigen Weg gehen, jedoch ist auch dort noch gehörig Aufholbedarf. Medienkompetenz bräuchte meiner Meinung nach an Österreichs Schulen noch mehr Raum.

Es gibt aber dazu auch externe Netzwerke, die sich Schulen zu Nutze machen können. Es gibt zum Beispiel die Schutzimpfung von „Saferinternet“, die sehr kostengünstig ist und diese Workshops werden von den Kindern sehr gerne angenommen.  Dieses Problem aber an die Schulen abzuwälzen, wäre verkehrt. Die Statistik sagt, dass 14 % der 3-5 Jährigen und 42 % der 5-8 Jährigen in Österreich bereits ein Handy besitzen. Es sind in erster Linie einmal die Eltern gefordert, den Kindern den Umgang mit diesen Dingen beizubringen und nicht nur die Schulen. Bei zahlreichen Elternabenden habe ich festgestellt, dass in diesem Bereich teilweise großer Mangel an Medienkompetenz vorherrscht. Deshalb habe ich auch mein zweites Werk: Kinder-Sicher im Internet“ verfasst.

Wenn sie schon Opfer von Cyber-Mobbing, Gewalt- oder Pornovideos, IS-Propagandamaterial oder Ähnlichem geworden sind, was können junge Menschen dann tun?
Wichtig ist, alle Beweise zu sichern. Deshalb müssen Kinder lernen, wie man mit dem Handy, dem Tablet oder dem Laptop Screenshots macht, Chatverläufe kopiert, denn nur dann können Täter auch straf-oder zivilrechtlich belangt werden. Es ist unbedingt erforderlich, dass junge Menschen einen erwachsenen Ansprechpartner haben, der Ihnen zur Seite steht, falls sie Opfer von Cybergewalt werden.
Alle Beweismittel wären auszudrucken und dem erhebenden Polizeibeamten zu übergeben. E-Mails nicht löschen, sondern im Original am PC zu speichern. Zusätzlich bietet www.saferinternet.at zahlreiche Tips und Tricks, die man sich durchlesen sollte. Im schulischen Bereich ist der Hauptansprechpartner der Klassenvorstand oder ein Vertrauenslehrer. Auch beim Thema IS-Propaganda Material oder Kinderpornographie kann man direkt unter www.stopline.at eine Meldung erstatten, damit diese Inhalte aus dem Internet entfernt werden.

Wir verlosen 3 Exemplare des Ratgebers „Kinder sicher im Internet“. Hier gehts zum Gewinnspiel

Teilen Sie diesen Inhalt auf:

Interessante Ausflugs- und Urlaubstipps:

Knappenwelt Gurgltal
Ausflugstipps / Österreich Tirol / Museen & Ausstellungen
Kürbiskernöl-Museum in Großklein
Ausflugstipps / Österreich Steiermark / Museen & Ausstellungen
Museum Bramberg - Smaragde und Kristalle / Mensch und Kultur
Ausflugstipps / Österreich Salzburg / Museen & Ausstellungen
Top