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Rechte und Pflichten für Lehrlinge

Mit der Entscheidung für einen Lehrberuf und der passenden Lehrstelle haben junge Menschen den ersten wichtigen Schritt in ihr späteres Berufsleben gesetzt. Nun lernen sie theoretisches und praktisches um ihre gewählte Tätigkeit auch gut ausüben zu können. Wie bei jeder Anstellung gibt es auch während der Lehrzeit Rechte und Pflichten, die dafür sorgen sollen, dass zwischen Lehrling und Ausbilderin/Ausbilder alles problemlos läuft. Diese werden im Lehrvertrag festgehalten. In diesem Artikel haben wir einen Überblick über die wichtigsten Regeln für Lehrlinge zusammengestellt.

Lehrvertrag – was ist das?
Der Lehrvertrag ist ein Arbeitsvertrag – abgeschlossen zwischen Arbeitgeber und Lehrling. Er enthält die Daten des Lehrlings und des Lehrbetriebes, die Bezeichnung des Lehrberufes, Beginn und Ende der Lehrzeit und -ausbildung, einen Hinweis über die Berufsschulpflichten, die Höhe der Lehrlingsentschädigung pro Lehrjahr und das Datum des Vertragsabschlusses. Er ist mindestens drei Monate nach Antritt der Lehrstelle sowohl vom Lehrling, als auch vom Lehrberechtigten zu unterschreiben. Bei Minderjährigen unterzeichnet ein gesetzlicher Vertreter (zum Beispiel die Eltern).

Gehalt und Kollektivvertrag
Die Gehälter der Lehrlinge werden Lehrlingsentschädigung genannt und sind im Kollektivvertrag geregelt. In jedem Betrieb muss ein Kollektivvertrag aufliegen, damit ihn jeder Angestellte lesen kann. Darin finden sich wichtige Bestimmungen zu Arbeitszeit, Mehrarbeit, Überstunden, Probezeit, Kündigungsfristen, Mindestlöhne und vieles mehr.

Probezeit
Die so genannte Probezeit dauert in etwa 3 Monate. In dieser kann das Lehrverhältnis schriftlich ohne Angabe eines Grundes vom Lehrling oder auch vom Lehrbetrieb aufgelöst werden.

Wie sieht es mit Arbeitszeiten und Urlaub aus?
Die gesetzliche Arbeitszeit eines Lehrlings beträgt bis zu seinem 18. Lebensjahr 8 Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich. Es gibt aber auch Ausnahmen. Unter 18 Jahren dürfen weder Überstunden noch Akkordarbeit geleistet werden. Nach dem vollendeten 18. Lebensjahr gelten die gleichen Bestimmungen wie für Erwachsene.
Jeder Lehrling hat einen Anspruch auf mindestens 5 Wochen Urlaub pro Jahr (25 Arbeitstage). Der Urlaub ist zwischen Arbeitgeber und Arbeitsnehmer zu vereinbaren.

Berufsschule
Nach Beendigung der Pflichtschule steht jedem Jugendlichen die Ausbildung in einem Lehrberuf offen. Die so genannte duale Ausbildung, also an zwei Lernorten (Betrieb und Berufsschule) endet mit Absolvierung der Lehrabschlussprüfung. Je nach Beruf beträgt die Lehrzeit zwischen 2 und 4 Jahre. Im Lehrvertrag ist Dauer, Inhalt und Ort der Berufsschule ersichtlich. Die Unterrichtszeit wird als Arbeitszeit gerechnet und das Gehalt wird demnach weiterbezahlt. Der regelmäßige Besuch der Berufsschule ist für Lehrlinge verpflichtend. (bei Krankheit Bescheid geben und eine ärztliche Bestätigung vorlegen!). Die Pflichten des Arbeitgebers sind es, dem Lehrling für die Schulzeit frei zu geben und für eine ordnungsgemäße Ausbildung zu sorgen.

Folgende Berufsschulvarianten gibt es:

Ganzjährig: Unterricht 1x pro Woche an einem vollen Tag oder 2x pro Woche an einem halben Tag
Lehrgansmäßig: blockweise mit mindestens 8 Wochen durchgehendem Unterricht
Saisonmäßig: durchgehend in einer bestimmten Jahreszeit

Wenn nach dem 9. Schuljahr eine weiterführende Schule besucht wurde, können unter bestimmten Voraussetzungen diese Vorlehrzeiten auf die Lehrzeit angerechnet werden!

Ende des Lehrverhältnisses
Ist die Probezeit überstanden, endet das Lehrverhältnis im Normalfall nach Ablauf der Lehrzeit. Nach bestandener Lehrabschlussprüfung ist der Betrieb verpflichtet, den Lehrling noch mindestens 3 Monate zu behalten. (Ausnahme: Saisonbetriebe).

Wenn beide Parteien (also Lehrling und Lehrender) der Meinung sind, dass sie nicht zusammenpassen oder mit der Arbeit unzufrieden sind, kann das Lehrverhältnis einvernehmlich aufgelöst werden. Achtung: In so einem Fall haben die Eltern ein Mitspracherecht!  

Aber auch eine Kündigung durch den Arbeitgeber ist möglich. Dies kann passieren, wenn der Lehrling zum Beispiel einen Diebstahl begeht, Gewalt im Betrieb ausübt, Betriebsgeheimnisse ausplaudert oder sich unerlaubt vom Arbeitsplatz entfernt.

Weiters können sowohl Lehrling als auch Lehrberechtigter das Lehrverhältnis zum Ende des 1. Lehr­jahr­es (bei Lehrberufen mit mindestens 3-jähriger Dauer bis zum Ende des 2. Lehrjahres) unter Einhaltung einer Frist von 1 Monat außerordentlich auf­lös­en. Allerdings ist die außerordentliche Auflösung durch den Ausbildungsbetrieb an ein Mediationsverfahren geknüpft.

Lehre mit Matura
Bereits während der Lehrzeit kann mit der Berufsreifeprüfung begonnen werden. Der der vier notwendigen Prüfungen (Deutsch, Mathematik, lebende Fremdsprache und Fachbereich) können während der Lehrzeit absolviert werden. Die Vierte, erst nach der Lehrabschlussprüfung!
Mehr dazu:
www.noeberufsschulen.ac.at/lehre-mit-matura

Weiter Informationen zum Thema Lehre gibt es auf www.lehrlingsportal.at und www.arbeiterkammer.at.

 

 

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